Provenienzforschung zu Yoruba-Werken in Frankreich und Deutschland: Entwicklung einer Methode basierend auf Farbanalyse, materieller Untersuchung, Wissensaustausch und dem Aufbau einer restitutiven Zusammenarbeit
Das ODAYO-Projekt schlägt eine Methode zur Provenienzforschung vor, die historische Untersuchungen mit einer Analyse von Materialien und organischen Farbstoffen kombiniert. Es bietet eine Pilotstudie zu Yoruba-Werken mit polychromer Dekorationen, die in Frankreich und Deutschland aufbewahrt werden. Der Korpus besteht aus Werken, die während der vorkolonialen und kolonialen Zeit gesammelt wurden und aus der Yoruba-Zone zwischen Porto Novo und Abéokuta (Südost-Benin und Südwest-Nigeria) stammen.
Das Materialstudium dieser Werke, die stilistische Interpretation und die physikalisch-chemische Analyse der Farbstoffe, Pigmente und Bindemittel verstärken den Forschungsprozess und liefern Hinweise auf ihre Datierung, Herstellung und geografische Herkunft.
Dieses Projekt wurde am universitären Forschungszentrum Natitingou (UNSTIM) in Benin entwickelt. Im Projekt werden im Austausch mit Yoruba-Handwerkern Kapazitäten für Analysen und ethnobotanische Sammlungen erzeugt und so die Dokumentation von Know-how und die Weitergabe von Forschungsergebnissen an die Gesellschaften vor Ort gefördert. Gemeinsam mit Kunsthandwerkern und Experten aus den jeweiligen Regionen werden Forschungsarbeiten rund um Techniken, Pflanzen, Farbstoffe und Pigmente durchgeführt und die Ergebnisse im Gegenzug geteilt.
Das Projekt wird auch in Frankreich von zwei unabhängigen Forscherinnen durchgeführt, von denen die eine Konservatorin und Restauratorin (organisches Material und Polychromie) ist, die andere Provenienzforscherin und Ethnobotanikerin. Ihre Arbeit mit den in Europa erhaltenen Beständen wird dank der engen Verbindung mit dem beninischen Team und den Yoruba-Kunsthandwerkern grundlegend erweitert. Die Kooperation mit Yoruba-Akteuren wird diesen gleichzeitig den Zugang zu ihrem Erbe im Exil ermöglichen.
Im Jahr 2025 konnte dieses erste Kollektiv dank der anfänglichen Unterstützung des Marc-Bloch-Fonds ein multidisziplinäres und plurinationales Team aufbauen bestehend aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Museum Fünf Kontinente in München und des Musée des Confluences in Lyon, an dem sich dann auch das Museum der Künste Afrikas, Asiens und Ozeaniens in Marseille (MAAOA) und das Laboratoire Green in Avignon beteiligen. In Benin tragen eine Museumskuratorin, die sich mit der Vermittlung von Kulturerbe befasst und zwei beninische Promovierende, zu dem Projekt bei. So erhält das Projekt eine Vermittlungs- und Ausbildungskomponente, die die Verbreitung der Ergebnisse an die breite Öffentlichkeit in Benin erleichtert.
Ziel dieses Forschungsjahres wird es sein, den Wert dieses Ansatzes zu belegen, zu kommunizieren und nachhaltig zu gestalten. Eine Publikation und ein Film machen die Arbeit sichtbar. Im Rahmen von zwei Veranstaltungen in Benin werden die Ergebnisse der breiten Öffentlichkeit, Forschenden und Studierenden, Kunstschaffenden und Personen, die ein Handwerk ausüben, zugänglich gemacht. Diese Veranstaltungen werden in Europa in die Welt der Museen übertragen.
Stichworte : Kulturelles Erbe, Materialität, Analysen, Chemie, Archäometrie, Pflanzenfarben, Rep. Bénin, Yoruba, Museen, Kunsthandwerk, Skulpturen, Holz, Polychromie, Textilien, Pflanzenfasern, Provenienz.
Das Projekt ODAYO baut auf dem Projekt COULEURS (2025) auf.
Ansprechpartner am Museum Fünf Kontinente: Dr. Stefan Eisenhofer, PD. Dr. Richard Hölzl
Gefördert durch: Deutsch-französische Provenienzforschungsfonds zu Kulturgütern aus Subsahara-Afrika am Centre Marc Bloch
Projektlaufzeit: 2026
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