In der menschlichen Identitätsbildung spielt Musik eine wesentliche Rolle. Sogar sehr individuell scheinende Musikgeschmäcker sind durch Wahrnehmungsfilter beeinflusst, die wiederum über die gesellschaftliche Sozialisation markiert sind.
Besonders in der Popkultur greift weltweit immer noch ein »westlicher« Kanon. Um Songs weltweit erfolgreich promoten zu können, müssen diese in gewissem Maße an ein spezifisches »Kulturelles Rauschen« angepasst werden.
Dies ist aber nicht nur ein gegenwärtiges Zeitphänomen. Über die Jahrhunderte wurden musikalische Archive durch Migrationsbewegungen und Handel über große Distanzen weitergereicht und ständig an lokale Hörgewohnheiten angepasst, sprachlich verändert und immer wieder variiert. Mit den Menschen wanderten auch ihre Musikinstrumente und somit die Musik über den Globus.
Tuncay Acars Eltern gehören zur ersten Generation deutscher »Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter« und haben schon in den 70er Jahren im Zuge ihres politischen Engagements Konzerte für Größen des sogenannten Anatolian Psychedelic Rock organisiert – unter ihnen befanden sich Namen wie Cem Karaca, Selda Bağcan und Edip Akbayram. Diese Künstlerinnen und Künstler und viele mehr konnte Tuncay in jungen Jahren schon live erleben und die Platten, die sie mitbrachten, nennt er seitdem sein eigen, nachdem er sie aus dem familieneigenen Plattenregal entführte.
In dieser Lecture wird Tuncay Acar anhand von konkreten Beispielen zeigen, wie bestimmte Melodien und Rhythmen es geschafft haben, über lange Zeiträume ihre Popularität zu bewahren und die aktuelle Popkultur zu beeinflussen.
Im Anschluss ist Zeit für Fragen aus dem Publikum.
:focal(1075x627:1076x628):format(webp))