Während die zeitgenössische Kunst eine Vorreiterrolle dabei übernommen hat, unsere Aufmerksamkeit auf die ökologischen Krisen der Gegenwart zu lenken, greifen Kunstschaffende heute häufig auf Werke einer vormodernen Vergangenheit zurück, die als Archiv von Reaktionen auf ökologische Fragilität dienen. Ohne in die Falle romantischer Nostalgie zu tappen, versucht dieser Vortrag zu ergründen, wie Gesellschaften, die nicht von aristotelischen Konzepten des Menschseins geprägt waren, mit der Instabilität und Unvorhersehbarkeit der Biosphäre lebten.
Welche Rolle spielten künstlerische Produktionen dabei, die Natur zugleich zum Objekt der Verehrung, der Bedrohung und des Vergnügens zu machen? Können wir aus Bildern und Objekten, die vordergründig Geschichten von Göttern und Menschen, von Liebe und Hingabe erzählen, verborgene Beziehungen zu den Welten der Pflanzen, Bäume, Tiere, Felsen und Ödland wiedergewinnen?
Der Vortrag stützt sich zum Teil auf die aktuelle Sonderausstellung Krishna. Religion, Kunst und Popkultur im Museum Fünf Kontinente, um den Zusammenhang zwischen Bildschaffung und den Alltagserfahrungen ihrer Schöpferinnen und Schöpfer bei der Aushandlung der unbeständigen Beziehungen zwischen den sie umgebenden menschlichen und nicht-menschlichen Welten zu untersuchen. Wie können wir – als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Gegenwart – in solche Bilder eintauchen, um eine ökologische Imagination zu erschließen, in der der Mensch einer von vielen Akteuren ist, die ein Werk gemeinsam schaffen?
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