• Gürteltuch mit Blüten an Ranken, 1. Hälfte 19. Jh., © Museum Fünf Kontinente, Foto: Nicolai Kästner

Die Wanderung von Motiven zwischen den Religionen: das osmanische Nischenmotiv, zweckentfremdet

Vortrag von Prof. Dr. Suraiya Faroqhi, Ibn Haldun University

Der Gebetsteppich ist einer der wichtigsten Teppichtypen in der islamischen Welt: Das Hauptelement ist eine Nische, oft aus Abbildern von Säulen und Kapitellen bestehend. Sie soll es den Gläubigen erleichtern, sich, wie vom Ritual vorgeschrieben, beim Gebet in Richtung Mekka zu orientieren. Oft enthält die Nische eine Leuchte, darunter kann ein Blumengesteck Platz finden. Bemerkenswerterweise fand dieses Motiv auch bei Nicht-Muslim:innen Anklang.
Insbesondere wohlhabende Kund:innen aus Polen kauften im 17. Jahrhundert Textilien mit diesem Motiv, um sie eventuell an Kirchen und Klöster weiterzugeben, wo sie (unter anderem) als Vorhänge Verwendung fanden. Auch in Textilarbeiten für jüdische und armenische Kund:innen ist das Nischenmotiv gelegentlich zu finden. Vielleicht können wir die Popularität des Motivs so verstehen: vor den tiefgreifenden Veränderungen des 19. Jahrhunderts teilten die Untertan:innen des Osmanensultans, ob Muslim:innen oder Nicht-Muslim:innen, eine Alltagskultur mit vielen gemeinsamen Zügen. Es ist wichtig, die kulturellen Gegensätze der letzten 200 Jahre nicht zu verabsolutieren.

Vor ihrer Berufung an die Ludwig-Maximilians-Universität in München im Jahr 1988 lehrte Suraiya Faroqhi bereits sechzehn Jahre lang an der Middle East Technical University in Ankara. Nach ihrer Pensionierung im Jahr 2007 erhielt sie eine Professur an der Istanbul Bilgi University. Nach der Emeritierung von dieser Universität im Jahr 2017 setzte sie ihre Lehrtätigkeit an der neugegründeten Ibn Haldun University in Istanbul fort.
Frau Faroqhi begann mit Arbeiten zur osmanischen Stadtgeschichte und konzentrierte sich in späteren Jahren auf die Geschichte von Handwerkern und Frauen. Ihre neuesten Bücher sind A Cultural History of the Ottomans: The Imperial Elite and its Artefacts (London 2016) und The Ottoman and Mughal Empires: Social History in the Early Modern World (ebd., 2019). Demnächst erscheint Women in the Ottoman Empire: A Social and Political History (geplant für 2023).

Datum: Mittwoch, 8. Februar 2023 um 19 Uhr
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 

Datum:
Mittwoch, 8. Februar 2023
19 Uhr

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.