• Anne Hartig © privat | Der Lakshminarayan/Birla Tempel in Delhi © Anne Hartig

Ein unbeachteter Meilenstein indischer Architektur: Der Lakshminarayan/Birla-Tempel in Delhi

Vortrag von Anne Hartig, Kuratorin für Süd- und Südostasien am Museum Fünf Kontinente

Entgegen gängiger Säkularisierungstheorien, denen zufolge Prozesse der Modernisierung zum Bedeutungsverlust von Religion führen, spielt Religion im heutigen Indien eine zunehmend wichtigere Rolle. Dies zeigt sich beispielsweise an den unzähligen aktiven Tempeln und Tempelanlagen, die heute im gesamten Land zu finden sind. Bemerkenswert viele dieser Tempel wurden erst in der jüngeren Vergangenheit errichtet. Trotz ihrer offensichtlichen Präsenz und Popularität schenken Wissenschaftler:innen diesen Anlagen generell nur wenig Aufmerksamkeit und verkennen so häufig ihre Bedeutung. Anne Hartig (PhD, Jawaharlal Nehru Universität, Neu Delhi) beschäftigt sich in ihrer Forschung mit Tempeln vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart und untersucht die komplexen Zusammenhänge zwischen Architektur, Religion, Identität und Politik.

In ihrem Vortrag konzentriert sie sich auf den in den späten 1930er Jahren von der Industriellen-Familie Birla erbauten Lakshminarayan-Tempel in Delhi. Sie analysiert den imposanten Tempel nicht nur als einen Meilenstein der Tempelarchitektur, sondern auch als einen wegweisenden Versuch, wenige Jahre vor der Unabhängigkeit eine Hindu-Präsenz in der Hauptstadt Britisch-Indiens sichtbar zu machen. Ihr Vortrag führt in die Geschichte des Tempels, seine moderne Architektur und sein ungewöhnliches ikonographisches Programm ein. Darüber hinaus wird im Vortrag die historische, kulturelle, gesellschaftliche und politische Bedeutung des Tempels skizziert, um den Zuhörer:innen neue Einblicke in die Funktion moderner Tempel in der größten Demokratie der Welt zu geben.

Anne Hartig ist Kunsthistorikerin; ihr Forschungsschwerpunkt ist das moderne und zeitgenössische Indien. Nach ihrem Studium der Indischen Kunstgeschichte, Indologie und Kunstgeschichte an der Universität Bonn lebte und forschte sie mehr als zehn Jahre in Südasien, wo sie an der Jawaharlal Nehru Universität in Neu Delhi studierte und 2018 im Fach Visual Studies promovierte. Ihre Doktorarbeit untersucht die hinduistische Tempelarchitektur vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Bevor sie Kuratorin der Süd- und Südostasien-Abteilung am Museum Fünf Kontinente wurde, arbeitete sie für das Projekt Angkor Inscription Survey, forschte am Alice Boner Institute in Varanasi zu modernen Tempeln und unterrichtete am Institut für Asiatische und Islamische Kunst-geschichte der Universität Bonn sowie am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien der Ruhr-Universität Bochum.

Datum
Mittwoch, 28. September 2022
19 Uhr

Eintritt frei