• Der Chor der Fünf Kontinente probt
    Foto: ©Johannes Selmayr
  • Aufführung Terry Riley
    Foto: ©Johannes Selmayr
  • Der Chor der Fünf Kontinente probt
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  • Aufführung Terry Riley
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Terry Riley: "IN C". Kommen wir zusammen?

Ein interkulturelles Musikprojekt von Stephan Lanius, Asyl Art, in Form einer Bühne voller Musiker und dem Chor der Fünf Kontinente unter der Leitung von Yosemeh Adjei, aufgeführt in etwa 45 Minuten

 

 Stephan Lanius ist virtuoser, gelernter und studierter Kontrabassist. Er ist aus dem Leben eines monatlich gut bezahlten Orchestermusikers ausgestiegen und mittlerweile jahrelang erprobter Einsteiger in die Szene jener Musiker, die an die Musik als Bindeglied zwischen den Menschen und ihren Kulturen glauben und weniger an hohe Gagen. Aufforderungen und Statements wie „Besonders Ihr Geradlinigen, gebt acht in den Kurven“ und „Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft“ beschreiben und betiteln seine musikalischen Produktionen und Performances, die immer wieder um Themen wie die Absurdität von Armut in einer reichen Gesellschaft, Ausgrenzung und Flucht kreisen. Deshalb heißt der von ihm gegründete Verein „Asyl Art“. Profi-Musiker aus verschiedensten Ländern sind immer wieder gern dabei, wenn Lanius ausgefallene und ungeradlinige musikalische Ideen umsetzt.

Der US-amerikanische Komponist Terry Riley ist neben Philip Glass, Steve Reich und La Monte Young einer der Urväter der „Minimal Music“. In den 1960er und 70er Jahren war sein Einfluss auf die zeitgenössische Pop- und Rockmusik unüberhörbar. Sogar Pete Townsend, Bandleader und Songwriter der legendären Rockformation „The Who“, erwies Riley seine Reverenz. Der Titel „Baba O´Riley“ erschien 1971 auf dem Hit-Album „Who´s Next“ und begann – damals absolut revolutionär – mit einem 45 Sekunden dauernden Synthesizer-Loop. Die Inspiration dazu stammt laut Townsend aus Terry Rileys Komposition „A Rainbow in Curved Air“. Es verwundert nicht, dass derselbe Terry Riley bereits 1964 die Idee zu einem Stück namens „IN C“ hatte.

„IN C“ wurde als kammermusikalisches Werk „für eine beliebige Zahl unspezifizierter Aufführender“ komponiert und wird heute oft als das erstes Werk der Minimal Music genannt. Das Besondere daran: Personenzahl, Instrumentierung und Aufführungslänge sind nicht verbindlich vorgegeben. Lediglich der „Puls“, die Note „C“ in Oktaven gespielt, muss das Stück gleichzeitig tragen und in sich verklammern. Das gibt jedem Musiker größtmögliche Freiheit. Jeder Instrumentalist kann sein Spiel als Modul einbauen, damit hervortreten und auch wieder in die Reihe der Mitmusiker zurücktreten – als Teil des Ganzen, nicht als prominenter Solist. Denn: Das Miteinander, das Zusammenkommen, die Kommunikation der Musiker untereinander stehen im Mittelpunkt. Wo man miteinander musiziert, ist das Verstehen des Anderen vorprogrammiert. Gemeinsames Tun schafft die Voraussetzung für wirkliches Kennenlernen: ohne Worte, ohne auf kulturelle Codes angewiesen und damit anfällig für Missverständnisse zu sein.

„Seine helle seelenvolle Kopfstimme ist Faszinosum ersten Ranges“. So charakterisierte ein Musikkritiker den Countertenor Yosemeh Adjei vor etwa zehn Jahren zu Beginn von dessen Bühnenkarriere. Heute, viele Engagements später, ist der Mann mit den ghanaischen Wurzeln gleich mehrfach mitten in München angekommen. Neben seiner Arbeit im klassischen Opernrepertoire steht er in diesen Tagen auch in den Münchner Kammerspielen auf der Bühne, nämlich in „Mittelreich“, jenem Theaterstück nach dem Roman von Josef Bierbichler, das aktuell auch in einer Kinoversion unter dem Namen „Zwei Herren im Anzug“ für Furore sorgt. Seit Juni 2016 leitet Yosemeh Adjei den Chor der Fünf Kontinente, mit dem er einmal pro Woche in unserem Museum probt und schon viele Auftritte vor begeistertem Publikum bei Thementagen und langen Museumsnächten absolviert hat.

Der Chor der Fünf Kontinente wurde im Rahmen des Projekts #Ankommen des Museums Fünf Kontinente aus der Taufe gehoben. Geflüchtete und schon lange in München lebende Menschen kommen durch ihn zusammen, erheben ihre Stimmen, schaffen und erleben Schönes. Grundsätzlich kann jeder mitmachen, der Freude am Singen hat.

Die Aufführung von Terry Rileys Komposition „IN C“. Kommen wir zusammen? fand im Rahmen des Internationalen Museumstages 2018 statt.

 

Veranstalter: Museum Fünf Kontinente in Kooperation mit Asyl Art e.V.

Datum
13. Mai 2018
14 Uhr

Eintritt
frei

Eine Video-Kostprobe können Sie hier ansehen