mit Dr. Karin Altmann, Wien
Bhutan, das letzte buddhistische Königreich im Himalaya, konnte durch seine abgeschiedene Gebirgslage, die bewusste Politik nach außen und die Grundprinzipien des Buddhismus bis heute eine beachtenswerte Textilkunst bewahren, die mit allen Aspekten des Lebens verwoben ist. Bhutans Textilien sind Kleidung und Alltagsobjekt, Währung und Handelsware, markieren als Geschenke wichtige Ereignisse im Laufe eines Lebens und bezeugen den sozialen Status einer Person. Die Textilien sind integraler Bestandteil bei sakralen Festen, Tänzen und Ritualen, gewähren einen Einblick in die mystische und religiöse Weltanschauung der bhutanischen Bevölkerung, spiegeln die komplementären und dennoch getrennten Lebensbereiche von Frauen und Männern wider und reflektieren gleichzeitig die Konzeption von Gender in der bhutanischen Gesellschaft. Und letzten Endes erzählen sie auch die Geschichte eines Landes, das in einer globalisierten Welt sensibel nach einer Balance zwischen Tradition und Fortschritt sucht.
Karin Altmann ist passionierte Textilkünstlerin, Forscherin und Senior Lecturer in der Abteilung Textil der Universität für angewandte Kunst Wien. Zudem initiiert sie seit 2004 eine Reihe transkultureller Projekte mit internationalen Partner:innen aus Bhutan, Kirgistan, Mexiko, Japan, Ghana und Mali sowie Kunstprojekte mit Kindern, Menschen mit Behinderungen, Geflüchteten und Frauen in psychischen und sozialen Krisen. Seit über 15 Jahren widmet sie sich der Erforschung der ältesten textilen Kulturtechniken im In- und Ausland. Ihr Arbeits- und Forschungsinteresse ist auf die praktische und theoretische Untersuchung und Erschließung des Textilen als spezifische Medialität, bezugnehmend auf dessen Erscheinungsform und Bedeutung in Kunst, Kultur und Gesellschaft aber auch hinsichtlich dessen Potenzials als Vernetzungsmodell ausgerichtet. Theorie und Praxis sind dabei stets aufeinander bezogen, erweitern und vertiefen sich gegenseitig.
Kosten: 10 €