• Bettina Zorn und Bruno Richtsfeld bei der Archivarbeit in Japan
  • Halskette von den Marshall-Inseln
  • Chinesisische Figur, Gegenstand der Provenienzforschung
  • Mitglied der Samoa Police Brass Band blättert in unserem Samoa-katalog
    © Michel Tuffery
  • Samoanischer Familien-Matai mit Foto seiner Vorfahrin in Deutschland

Forschungsprojekte

Das Museum Fünf Kontinente verantwortet zahlreiche Forschungsprojekte. Darüber hinaus ist es ein gefragter Kooperationspartner nationaler und internationaler Forschungsvorhaben. Welche Projekte unsere Kolleginnen und Kollegen in den letzten Jahren durchgeführt oder initiiert haben bzw. an welchen sie beteiligt waren und sind, sehen Sie hier:

 

Logo der Akademie der Wissenschaften zu Goettingen         Logo der LMU München

 

Logo der Bayerischen Staatsbibliothek München

 

Sanskrithandschriften aus den Turfanfunden

Gefördert im Rahmen des „Akademienprogramms zur Erschließung, Sicherung und Vergegenwärtigung unseres kulturellen Erbes“ durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) des Bundes und der Länder von 1990 bis Ende 2017, durchgeführt von Dr. Klaus Wille

Nur wenigen Experten ist bekannt, dass das Museum Fünf Kontinente zu seinen Schätzen auch herausragende Objekte von der Seidenstraße zählt. Im Auftrag von Lucian Scherman, dem damaligen Direktor des Kgl. Ethnographischen Museums, wurden sie von dem Herrnhuter Missionar August Hermann Francke (1870–1930) und seinem Begleiter Hans Körber (1886–1979) im Jahr 1914 auf einer Expeditionsreise nach Innerasien erworben. Sie wurden vor allem in der Region von Khotan angekauft, einem einstmals buddhistischen Reich an der Südroute der Seidenstraße in der heutigen chinesischen Provinz Xinjiang.

Darunter zählen Fragmente einzigartiger Handschriften überwiegend buddhistischen Inhalts, die in mehreren Sprachen und Schriften geschrieben sind und aus der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrtausends stammen. Sie lassen eine multiethnische Schriftkultur erkennen, die von verschiedenen Formen des Buddhismus geprägt ist, wobei die indischen Elemente immer noch zentrale Bedeutung besitzen, die Einflüsse aus den beiden unmittelbar benachbarten Großreichen China und Tibet aber bereits deutlich sichtbar werden.

Dank der vorbildlichen Kooperation mehrerer akademischer Institutionen ist es jetzt gelungen, diese Handschriften zu digitalisieren und damit der weiteren wissenschaftlichen Erschließung verfügbar zu machen. Im Rahmen des „Verzeichnis der Orientalischen Handschriften in Deutschland“ (VOHD), eines Langzeitvorhaben angesiedelt an der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, werden derzeit die in Sanskrit geschriebenen Fragmente katalogisiert. Sie sollen als Band 13 der Reihe „Sanskrithandschriften aus den Turfanfunden“ (VOHD X) ediert werden, ein Projekt, das Jens-Uwe Hartmann vom Institut für Indologie und Tibetologie der LMU München leitet. Dies bot eine willkommene Gelegenheit, gleich alle Handschriften digital zu erfassen. Im Ergebnis einer eindrucksvoll unbürokratischen Absprache zwischen der Direktion des Museums Fünf Kontinente, der Bayerischen Staatsbibliothek und dem Katalogisierungsprojekt stellte das Digitalisierungszentrum der Staatsbibliothek in der Woche vom 31. Juli bis zum 4. August 2017 im Museum die technische Ausrüstung bereit, das Museum sorgte für die konservatorische Betreuung, und Anne Peters und Klaus Wille, Mitarbeiter der Katalogisierung, führten die Digitalisierung durch. In dieser Zeit konnten alle 430 Fragmente digitalisiert werden.

 

Logo des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Logo des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste

 

Hintergründe und Provenienzen von Erwerbungen chinesischer Kunst aus sogenannten „Judenauktionen“ in Berlin 1935 – Ein Projekt zur Provenienzforschung

Gefördert durch die Arbeitsstelle für Provenienzforschung (AfP), Berlin (übergegangen in Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste) und durch das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst von März 2014 bis Mai 2016, durchgeführt von Dr. Ilse von zur Mühlen

Vor dem Hintergrund einer Restitutionsforderung zu drei altchinesischen Objekten, die das damalige Museum für Völkerkunde (heute Museum Fünf Kontinente) 1935 auf einer Auktion bei Paul Graupe in Berlin sowie nach 1945 durch Tausch und Kauf erworben hatte, erforschte Dr. Ilse von zur Mühlen im Auftrag des Museums Fünf Kontinente die Vorprovenienzen und Hintergründe der Erwerbungen. Begleitet wurde das Projekt von Dr. Bruno J. Richtsfeld, dem Leiter der Abteilung Inner-, Nord- und Ostasien des Museums Fünf Kontinente, der im Vorfeld weitere 37 Objekte aus demselben Versteigerungsbestand feststellte. Zu überprüfen war, ob die Objekte im Sinne des Washingtoner Abkommens von 1998 als NS-verfolgungsbedingt entzogen einzuschätzen waren.

Die in Frage stehenden 40 Inventarnummern wurden 1935 in Berlin durch das Auktionshaus Paul Graupe während zweier Auktionen als Ware der Kunsthandlung Dr. Otto Burchard & Co. GmbH in Liquidation versteigert. Die Kunsthandlung gehörte zu dem internationalen Kunsthandelskonzern Margraf & Co. GmbH, dessen Geschäftsanteile den langjährigen Mitarbeitern Jacob und Rosa Oppenheimer 1929 als Vermächtnis zugesprochen worden waren. Das Ehepaar Oppenheimer wurde in der Zeit des NS-Regimes von Beginn an verfolgt. Beide waren jüdischen Glaubens und gingen bereits im April 1933 ins Exil nach Frankreich: Jacob Oppenheimer starb 1941 infolge einer Internierung durch die Franzosen, Rosa Oppenheimer wurde 1943 in Auschwitz ermordet.

Die Recherchen ergaben, dass die oben genannte Versteigerung infolge einer bereits seit 1929 bestehenden Überschuldung der Kunsthandelsgesellschaft durch riskante Handelsgeschäfte und die Aufnahme von Krediten beim Berliner Bankhaus Jacquier & Securius stattfand. Die Versteigerung erfolgte nicht aufgrund einer hoheitlichen Maßnahme der NS-Behörden, sondern als Folge einer Sicherungsübereignung durch die Bank und aufgrund eines einvernehmlich gezeichneten Versteigerungsvertrags zwischen dem (jüdischen) Versteigerer Paul Graupe, dem (jüdischen) Bankhaus Jacquier & Securius sowie dem gleichfalls jüdischen Geschäftsführer des Margraf-Konzerns, Ivan Bloch, einem der Schwiegersöhne des Ehepaars Oppenheimer. Die Forschung zeigte, dass auf den Versteigerungen angemessene Preise erzielt wurden. Aus dem Erlös wurden nachweislich sämtliche Kreditschulden bei dem Bankhaus beglichen. Der verbliebene Teil wurde offensichtlich ausbezahlt, nach einem Vermerk im Buchprüfungsbericht der Bank von 1938 heißt es: „Der Mehrerlös floß Margraf zu.“ Die gleichfalls 1929 fällig gewordene Erbschaftssteuer wurde 1938 auf etwa die Hälfte reduziert, der Rest der Steuerschuld durch die Haupterbin gezahlt, während der Anteil von Jacob und Rosa Oppenheimer niedergeschlagen wurde.

Diese Forschungsergebnisse führten zu dem Schluss, dass nicht von einem NS-verfolgungsbedingten Entzug durch die Versteigerung auszugehen ist. Dieses Ergebnis wird gestützt durch eine Entscheidung des Spoliation Advisory Panel (SAP), London, vom 16.09.2015, in der die Versteigerung der Kunstwerke des Konzerns Margraf & Co. weder als NS-Zwangsverkauf noch als Versteigerung unter Wert beurteilt wird. Dem SAP zufolge könne sich der Antragsteller auch nicht auf einen „moralischen Anspruch“ berufen, so dass weder eine Rückgabe noch eine freiwillige Zahlung gerechtfertigt sei.

 

Logo des Pacific Presences Project, Cambridge

Pacific Presences Project, Cambridge (UK)

"Max Biermann (1856–1929) auf den Marshall-Inseln"

Gefördert vom Museum of Archaeology and Anthropology in Cambridge (UK), durchgeführt von Dr. Hilke Thode-Arora

Wir freuen uns, dass unsere Kollegin Dr. Hilke Thode-Arora für ein weiteres Projekt zur Provenienzforschung ein mehrjähriges Stipendium vom Museum of Archaeology and Anthropology in Cambridge erhalten hat. Sie wird als Research Fellow unsere aus der deutschen Kolonialzeit in der Südsee stammende, vom Kaiserlichen Kommissar Max Biermann (1856–1929) auf den Marshall-Inseln zusammengetragene ethnographische Sammlung wissenschaftlich bearbeiten und kontextualisieren. Das Stipendium ist Teil des vom Europäischen Forschungsrat geförderten Projekts „Pacific Presences“: Unter Leitung des Museums in Cambridge werden europaweit Ozeanien-Sammlungen aus Mikronesien und Melanesien dokumentiert, interdisziplinär untersucht sowie aus europäischer und pazifischer Sicht kontextualisiert.

 

National Institutes for the Humanities-Logo

National Institutes for the Humanities (Japan)

"Siebolds Japanisches Museum": Philipp Franz von Siebold (1796–1866) als Sammler und Museumstheoretiker

Gefördert von der japanischen Regierung von 2010 bis 2016, durchgeführt von Dr. Bruno Richtsfeld

1996 organisierten in Japan das Edo-Tôkyô-Museum in Tôkyô, das Hayashibara Museum of Art in Okayama und das National Museum of Ethnology in Osaka in Zusammenarbeit mit den Völkerkundemuseen in München und Leyden sowie dem Museum für Angewandte Kunst in Wien anlässlich des 200. Jubiläums des Geburtstages des Japanforschers Philipp Franz von Siebold eine Sonderausstellung mit Siebold-Objekten aus den genannten europäischen Museen. Da Siebold bereits 1835 an den bayerischen König Ludwig I. ein Schreiben mit einem Plan zur Gründung eines ethnographischen Museums in München gerichtet hatte, kommt der Münchner Sammlung, entstanden auf Siebolds zweiter Japanreise zwischen 1859 und1862, große japanologische und ethnologische Bedeutung zu. Darüber hinaus vermag sie Aufschluss über die Umsetzung musealer und sammlungstheoretischer Konzeptionen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu geben. Angesichts der Tatsache, dass 1839 Siebold in Leyden (nicht gesichert) oder 1841 Christian Jürgensen Thomsen (1788–1865) in Kopenhagen das älteste allgemein-ethnographische Museum der Welt begründete, zählt Siebold gemeinsam mit Edme Francois Jomard (1777–1862) zu den frühesten Theoretikern ethnographischer Museumskonzeptionen.

Im Dezember 2010 wurde zwischen dem Museum Fünf Kontinente (ehemals Staatliches Museum für Völkerkunde München) und den Japanese National Institutes for the Humanities (NIHA, Inter-University Research Institute) ein Kooperationsvertrag zur Erforschung und Erschließung des Münchener Bestandes geschlossen. Dieses Forschungs- und Ausstellungsprojekt ist Teil des umfassenden japanischen Projekts „A study of materials collected in Japan in the 19th century and then taken overseas. The project of making an inventory of the Siebold family collection and Siebold archival materials as part of a larger project of 19th century Japanese material abroad”.

Zwischen 2010 und 2015 reiste aus diesem Anlass zwei Mal pro Jahr eine japanische Forschergruppe unter Leitung von Professor Dr. Kurushima, und nach seiner Ernennung zum Direktor des National Museum of Japanese History, Sakura (Präfektur Chiba), von Frau Prof. Dr. Hidaka, der Lackspezialistin des genannten Museums, nach München und erfasste die im Museum Fünf Kontinente aufbewahrte Siebold-Sammlung wissenschaftlich und fotografisch. Das Fotomaterial wird in Zukunft der internationalen Forschung als Data Base zur Verfügung stehen. Der Leiter der Ostasien-Abteilung, Dr. Bruno J. Richtsfeld, bearbeitete zusammen mit den japanischen Kollegen die von Siebold gesammelten Objekte und erforschte die dazu noch erhaltenen schriftlichen Dokumente. Die Ergebnisse der Forschungen werden die Grundlage einer umfassenden Ausstellung mit dem Arbeitstitel „Siebolds Japanisches Museum“ in den Jahren 2016 und 2017 voraussichtlich in vier großen japanischen Geschichts- und Volkskundemuseen sein (National Museum of Japanese History, Sakura; Edo-Tôkyô-Museum, Tôkyô; National Museum Ethnology, Osaka; Siebold-Memorial Museum Nagasaki; weitere Ausstellungsorte werden noch festgelegt).

Zu weiteren wissenschaftlichen Forschungen und zur Unterstützung der Vorbereitungsarbeiten dieser Ausstellung war Dr. Bruno J. Richtsfeld auf Einladung des National Museum of Japanese History in der Zeit vom 17. Dezember 2015 bis 17. März 2016 als Gastwissenschaftler in Japan tätig.

Logo des Pacific Presences Project, Cambridge

Pacific Presences Project, Cambridge (UK)

Funded by the European Research Council, the Pacific Presences Project, designed and coordinated by the Museum of Archaeology and Anthropology in Cambridge, UK, explores selected Oceania collections across a range of European museums. The project has a double focus, essentially, on cultural and art histories in the Pacific, approached through the collections, and also on the history of collections and museums within Europe. The Museum Fünf Kontinente is a formal collaborator of MAA and the Pacific Presences Project over 2015–18.

 

Logo des Pacific Presences Project, Cambridge

"Aitutaki Patterns or Searching for our Future in the Discoveries of our Past"
Forschungen zu Objekten von den Cook-Inseln, Polynesien, in europäischen Museen
 
Gefördert vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland und teilfinanziert durch das Museum Fünf Kontinente von 2015 bis 2019, durchgeführt von Dr. Michaela Appel
 
In der Ozeanien-Sammlung des Museums befindet sich eine weibliche Ahnenfigur von der Cook-Insel Aitutaki, die Dr. Michaela Appel in den letzen Jahren erforschte. Der Vergleich mit Skulpturen von den benachbarten Cook-Inseln Rarotonga, Mangaia und Atiu sowie von den Austral-Inseln Rurutu und Ra’ivavae ergab, dass figürliche Darstellungen im östlichen Polynesien fast immer Metaphern für den Ursprung und die Abstammung der Menschen sind. Genealogien, die auf einen ersten Ahnen zurückgeführt werden, sind dort bis heute von höchster Bedeutung, nicht nur für die Definition verwandtschaftlicher Verhältnisse, sondern auch im Hinblick auf Landrechte und erbliche politische Ämter. Durch Studien im Archiv der London Missionary Society in der School of Oriental and African Studies konnte der Weg dieser Skulptur von Aitutaki über die tahitianische Insel Ra’iatea bis nach London verfolgt werden. Dort wurde sie 1825 von Johann Georg Wagler, einem Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, für Ludwig I. und Bayern erworben.

Im Juni 2015 war auf Einladung des Auswärtigen Amtes der Wissenschaftler Ngaa Kitai Taria Pureariki aus Aitutaki als curator in residence bei uns zu Gast. Im Laufe seines Aufenthaltes befasste er sich intensiv mit der weiblichen Ahnenfigur, vor allem mit ihren aufgemalten Tatauiermustern und deren Bedeutung.

Im Zuge der Nachforschungen, unter anderem auf Aitutaki, stellten sich genau diese Muster als unmittelbar zur Herkunftsgeschichte der Bewohner der Insel gehörig heraus. Nach Recherchen von Ngaa Kitai Taria Pureariki und Dr. Michaela Appel finden sie sich bereits als Muster auf den Booten früher Besiedler der Insel, denn jedes Boot hatte ein bestimmtes Muster, das seinerseits auf eine bestimmte Familie zurückzuführen war. Als neues Forschungsresultat kristallisierte sich heraus, dass spezifische Musterungen in direktem Zusammenhang mit traditionellen Wertesystemen stehen und sie visuell eindeutig symbolisieren. Zudem zeigte eine intensive Recherche in einigen europäischen Museumssammlungen, dass die Kenntnis dieser speziellen Muster immer wieder dabei hilft, Ethnografika aus Aitutaki zu identifizieren und ihren Sinngehalt zu bestimmen.

Die Fülle bis jetzt erbrachter positiver Forschungsergebnisse legt eine künftige Ausweitung der Recherche auf Sammlungen in Neuseeland und den USA nahe.

 

 

Ernst von Siemens Kunststiftung

Restaurierungsmaßnahmen an neun thailändischen Tempelbildern des 18. und 19. Jahrhunderts

Gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung von 2012 bis 2015, durchgeführt von Jitka Kyrian, Dipl. Restauratorin

Das Museum Fünf Kontinente verfügt über eine Reihe thailändischer Tempelbilder, die zurück bis ins 18. Jahrhundert zu datieren sind. Die Malereien stellen Szenen aus dem Leben Buddhas dar oder auch Buddha selbst, häufig in Begleitung seiner Lieblingsschülern. Die Darstellungen wurden mit wässrigen Malmitteln auf sehr dünne Gewebe gemalt und den Gläubigen nur bei bestimmten religiösen Festen gezeigt. Klimatische Einwirkungen und die traditionell gerollte Aufbewahrung haben im Laufe der Zeit erhebliche Schäden an den Tempelbildern verursacht. Die Forschungslage ist dürftig: Publikationen mit Bezügen zur Materialuntersuchung sind rar. Obwohl die Korrespondenz mit Museen und Sammlungen in Europa, USA und Asien umfangreiche Bestände weltweit zutage brachte, waren systematische Pigmentidentifizierungen bis zu diesem Projekt nicht bekannt.

Systematische Photodokumentation einzelner Farbschichten unter starken Vergrößerungen geben nun Aufschluss über Pigment- und Füllstoffausmischungen, Korngrößenverteilungen, über Auftragsweisen der Malfarben, die Abfolge des Auftrags einzelner Farbschichten und nicht zuletzt über typische Schadensbilder. Mit der Punktretusche bleibt die Unterscheidbarkeit von Restaurierungseingriff und originaler Malerei erhalten.

 

Fritz Thyssen Stiftung Logo

Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung

Die Kontextualisierung der Samoa-Sammlung aus deutscher und samoanischer Perspektive

Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung von 2010 bis 2014, durchgeführt von Dr. Hilke Thode-Arora

Rund zwei Drittel der Samoa-Bestände des Museums Fünf Kontinente wurden über den Ethnographica-Händler und Völkerkschau-Impresario Carl Marquardt erworben. Sein Bruder Fritz lebte viele Jahre lang auf Samoa; der westliche Teil der Inselgruppe war von 1899 bis 1914 Kolonie des deutschen Kaiserreichs. Mit den Schaustellungen kamen zwischen 1895 und 1911 drei Gruppen meist ranghoher Samoaner nach Deutschland, welche in Deutschland und München Geschenke mit gekrönten Häuptern und anderen Würdenträgern tauschten. Die Geschenke an die Vertreter des bayerischen Königshauses sind heute ebenfalls Bestandteil der Sammlung des Museums Fünf Kontinente.

Zur Kontextualisierung der historischen und kulturellen Umstände dieser Völkerschauen und der daraus resultierenden Sammlungen wurden nicht nur Archivalien in europäischen, samoanischen, neuseeländischen und australischen Archiven gehoben, sondern auch Interviews mit Nachfahren der samoanischen Völkerschau-Reisenden geführt. So konnten erstmalig samoanische Perspektiven sowie mündliche Überlieferungen zu den Völkerschauen und den Sammlungen dokumentiert werden. Im Gegensatz zu den gängigen westlichen Anschauungen über Völkerschauen, die eher eine Opferperspektive der Teilnehmer betonen, zeigte sich eines der Ergebnisse des Projektes, dass samoanische Würdenträger sehr bewusst und mit politischem Kalkül an den Völkerschau-Reisen nach Deutschland teilnahmen und während ihrer Zeit in Europa in ständigem Austausch mit Samoanern auf der Inselgruppe standen.

Das Forschungsprojekt war das einzige aus dem Bereich Ethnologie, das von der Fritz Thyssen Stiftung 2010 genehmigt und 2012 verlängert wurde. Es resultierte in der 2014 im Museum gezeigten Ausstellung „From Samoa with Love? Samoa-Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich. Eine Spurensuche“ sowie einem Buch in deutscher und englischer Sprache.

Die Ausstellung wurde vom Staatsoberhaupt von Samoa eröffnet und von ihm als Schirmherr begleitet. Für eine eigene Ausstellungseinheit konnte der samoanischstämmige Künstler Michel Tuffery gewonnen werden, der mit seinen Werken die samoanisch-deutsche Geschichte und die Samoa-Völkerschauen kritisch kommentierte.

Ausstellung und Publikation fanden große Resonanz in Samoa und den samoanischen Diaspora-Gemeinschaften. Sie haben dort eine nähere Beschäftigung mit dem Thema der Völkerschau-Reisen sowie die Öffentlichmachung weiterer mündlicher Überlieferungen zum Deutschland-Aufenthalt der Vorfahren angestoßen.

 

Logo Research Council of Norway

A Universe of Devotion: The Iconisation of Lal Shahbaz Qalandar in Pakistan

Finanziert vom Research Council of Norway von 2010 bis 2013, durchgeführt von Prof. Dr. Jürgen W. Frembgen

Prof. Dr. Jürgen Wasim Frembgen war einer von fünf Wissenschaftlern des internationalen Forschungsvorhabens „Muslim Devotional Practices, Aesthetics and Cultural Formation in Migrancy“. Sein Teilprojekt untersuchte die sinnliche Wahrnehmung sakraler Räume am Beispiel des Schreins von Lal Shahbaz Qalandar, dem populärsten Sufi-Heiligen Pakistans. Grundlage seiner Feldforschung ist die einzigartige und umfangreiche Sammlung pakistanischer Devotionalien im Museum Fünf Kontinente. Derzeit ist die abschließende Publikation des Gesamtprojekts in Vorbereitung. J.W. Frembgen ist darin mit dem Beitrag „The Iconic Presence of the Qalandar. Visual Piety in the Cult of the Sufi Saint Lal Shahbaz Qalandar in Pakistan“ vertreten.

 

Logo Centre National de la Recherche Scientifique

A Universe of Devotion: Networks of Devotees and their Ritual Spaces in the Context of the Pilgrimage to Lal Shahbaz Qalandar in Pakistan

Finanziert vom Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris von 2009 bis 2012, durchgeführt von Prof. Dr. Jürgen W. Frembgen

In Zusammenarbeit mit der „Mission interdisciplinaire Française du Sindh“ (MIFS), an dem Kultur- und Sozialwissenschaftler aus Frankreich, Pakistan, den USA und Deutschland mitwirkten, diente dieses Teilprojekt der Untersuchung der Organisationsformen von Anhängern des Sufi-Heiligen Lal Shahbaz Qalandar und ihrer rituellen Orte. Der hauptsächliche Fokus lag auf der internen Struktur und den religiösen Aktivitäten dieser vorwiegend männlichen Kultgemeinschaften in Lahore, wobei die Sammlung und Dokumentation von Pilgerplakaten und Sufi-Postern im Museum Fünf Kontinente den Ausgangspunkt bildete. Derzeit ist die abschließende Publikation des Gesamtprojekts in Vorbereitung. J.W. Frembgens Beitrag trägt den Titel We are Lovers of the Qalandar“. Devotional Communities of Punjabi Pilgrims to Sehwan Sharif“.

 

Logo Preetorius-Stiftung

Persische Miniaturen der Sammlung Preetorius

Finanziert durch die Peetorius Stiftung  von 2010 bis 2012, betreut von Prof. Dr. Jürgen W. Frembgen

Lejla Bajramovic, M.A. untersuchte als Stipendiatin der Preetorius-Stiftung im Rahmen eines von Prof. Dr. Avinoam Shalem (Institut für Kunstwissenschaft/LMU München, derzeit Columbia University/New York) betreuten Dissertationsvorhabens die persischen Miniaturen der Sammlung Emil Preetorius. Preetorius (1883–1973), der berühmte deutsche Illustrator und Bühnenbildner war ein überaus leidenschaftliche Kunstsammler.

Seine Sammlung persischer Miniaturen, die sich im Museum Fünf Kontinente befindet, hat Seltensheitwert in Deutschland. Sie wurde zum ersten Mal unter Berücksichtigung der Sammlerpersönlichkeit Preetorius sowie im Kontext der zeitgenössischen Kultur- und Kunstströmungen unter kunsthistorischen Gesichtspunkten wissenschaftlich bearbeitet. Darüber hinaus wurde das „Leben“ der Sammlung – beginnend mit den ersten erworbenen Objekten um 1910 bis in die 1960er Jahre – erforscht: ihre Präsentation, ihre öffentliche Wahrnehmung, aber auch ihre unmittelbaren Einflüsse auf die Sammeltätigkeit von Preetorius. Die Dissertation ist derzeit in Vorbereitung; Teilergebnisse und ausgewählte Miniaturen wurden während des Symposiums zu Leben und Werk von Emil Preetorius im Oktober 2013 vorgestellt.