• Michel Tuffery interagiert mit einer Fischergott-Figur und entbietet ihr den traditionellen hongi-Gruß

Curator in Residence

Das Museum Fünf Kontinente freut sich, ausgewählte Gastkuratorinnen und -kuratoren aus aller Welt willkommen zu heißen. Als „Curator in Residence“ arbeiten Vertreterinnen und Vertreter indigener Gesellschaften, Kolleginnen und Kollegen sowie Künstlerinnen und Künstler gemeinsam mit uns an unseren Sammlungen sowie über deren Geschichte und soziokulturelle Kontexte. Zudem begleiten sie die Realisierung von Ausstellungs-, Publikations- oder Veranstaltungsprojekten. Darüber hinaus zeigen wir Vertreterinnen und Vertretern von Herkunftsgesellschaften gerne die Sammlungen unserer Depots. Wir bitten um rechtzeitige Terminabsprache mit den Sammlungsleiterinnen und Sammlungsleitern.

Seit 2010 haben wir mit folgenden Gastkuratorinnen und -kuratoren zusammengearbeitet:

Visoth Chhay

Visoth Chhay und Ann-Christine Woehrl in Berlin

Visoth Chhay (*1978) hat Archäologie und Erziehungswissenschaften studiert, im Nationalmuseum von Kambodscha gearbeitet und unterrichtet gegenwärtig an der Königlichen Universität der Schönen Künste in Phnom Penh. Seit 2014 ist er Direktor des Tuol-Sleng-Genozid-Museums in Phnom Penh, das aus dem ehemaligen Foltergefängnis „S-21“ der Roten Khmer hervorgegangen ist. Anlässlich der Ausstellung „Shaded Memories. Der Schatten über Kambodscha. Fotografien von Ann-Christine Woehrl“ haben wir Visoth Chhay mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes nach Deutschland eingeladen, nachdem er das Projekt von Ann-Christine Woehrl in seinem Museum unterstützt hatte. Er ist Mitkurator der Ausstellung „Shaded Memories“ in München, die in Kooperation mit dem Museum Fünf Kontinente auch parallel im Tuol-Sleng-Genozid-Museum in Phnom Penh gezeigt wird. Während seines Aufenthaltes hatte Chhay Gelegenheit, in München und Berlin Gedenkstätten und Mahnmale totalitärer Herrschaft der deutschen Vergangenheit zu besuchen.


General José Isabel Sulub Cimá und Marcos A. Canté Canul

José Isabel Sulub Cimá und Marcos A. Canté Canul

General José Isabel Sulub Cimá (*1936) lebt in der Gemeinde Dzulá bei Felipe Carillo Puerto in Yucatán/Mexiko und ist Vorsteher des Zeremonialzentrums „Sprechendes Kreuz“, eines zentralen Heiligtums der Cruzoob-Maya. Zusammen mit der Friedensnobelpreis-Trägerin Riguberta Menchú Tum und weiteren Maya-Würdenträgern initiierte er eine offizielle Partnerschaft der Maya Guatemalas und Mexikos. Sie hat sowohl kulturelle als auch ökonomischen Zielsetzungen.

Sulub Cimá gehört zu den Nachfahren jener Maya, die den letzten großen Aufstand in Yucatán, den so genannten Kastenkrieg (1847–1901), begannen. Anlässlich der Ausstellung „Últimos Testigos. Die letzte Rebellion der Maya in Yucatán“ war er zusammen mit Marcos A. Canté Canul zu Gast im Museum Fünf Kontinente. Im Lateinamerika-Depot setzte er sich ausgiebig mit prähistorischen Gegenständen der Maya und ihrer Nachbarn auseinander. Bei zahlreichen Gegenständen sah er Parallelen zu solchen, die noch heute benutzt werden und konnte deren tiefere Bedeutung erklären. Er wies auch auf die Gefahr hin, die von den Kräften einiger Objekte ausgeht. Durch seine tiefe Kenntnis der eigenen Kultur konnte er uns wertvolles Wissen vermitteln.

Marcos A. Canté Canul (*1973) aus der Gemeinde Señor bei Felipe Carillo Puerto in Yucatán/Mexiko ist Vorsitzender der lokalen maya-eigenen Kooperative Xyaat, die mit mehreren Preisen für ihren sozialverträglichen Öko-Tourismus ausgezeichnet wurde. Das erwirtschaftete Geld kommt nicht nur den beteiligten Familien zugute, sondern fließt auch in Bildungsprojekte. Canté Canul besuchte das Museum Fünf Kontinente als Begleiter und Übersetzer für General José Isabel Sulub Cimá im Zuge der Ausstellung „Últimos Testigos. Die letzte Rebellion der Maya in Yucatán“ und erwies sich selbst als profunder Kenner der eigenen Kultur und geschickter Mittler zwischen den Welten. Zusammen mit Sulub Cimá ergründete er die Bedeutung von Gegenständen in unseren Sammlungen und konnte wichtige Details ans Tageslicht fördern, beispielsweise zu den Darstellungen einer Schlangenzeremonie auf einer prähistorischen Maya-Keramik.


Héctor Vinent Carón

Héctor Vinent Carón

Héctor Vinent Carón (*1972) kommt aus Santiago de Cuba und gehört zu den großen Boxlegenden seines Landes. Der zweifache Olympiasieger (1992 Barcelona und 1996 Atlanta) und dreimalige Weltmeister (1993 Tampere, 1995 Berlin, 1997 Budapest) musste sich 1998 wegen einer Augenverletzung aus dem internationalen Boxsport zurückziehen. Heute gibt er sein Wissen und seine langjährige Erfahrung als Trainer an junge Talente in Havanna weiter.

Als Insider der kubanischen Boxszene und international renommierter Spitzensportler konnte er uns fachliches Hintergrundwissen und aktuelle Informationen zum Kontext unserer Ausstellung „Boxing Cuba. Hommage an einen Sport“ liefern.

Darüber hinaus engagierte sich Herr Vinent Carón aktiv in unserem Geflüchteten-Projekt #Ankommen. Mit Professionalität und Charisma fungierte er als Trainer beim ausgebuchten Boxworkshop, zu dem wir Geflüchtete aus verschiedenen Betreuungseinrichtungen Münchens eingeladen hatten.


Ngaa Kitai Taria Pureariki

Ngaa Kitai Taria Pureariki © courtesy of Ngaa Kitai Taria Pureariki

© courtesy Ngaa Kitai Taria Pureariki

Ngaa Kitai Taria Pureariki (*1971) stammt von der Insel Aitutaki, Cook Islands. Er studierte Ethnologie an der University of the South Pacific in Rarotonga und führte zusammen mit dem Archäologen Mark Eddowes Ausgrabungen auf Aitutaki durch. Ngaa Kitai Taria Pureariki hat es sich zur Aufgabe gemacht, die traditionelle Kultur der Cook-Inseln wieder ins Bewusstsein zu rufen und über die Grenzen des Archipels hinaus bekannt zu machen. Unsere seit 2010 bestehenden Kontakte zu ihm führten im Juni 2015 zu seinem ersten Besuch bei uns in München. Der gegenseitige Austausch über die Sammlung von den Cook-Inseln brachte beiden Seiten wichtige neue Erkenntnisse. Ngaa Kitai Taria Pureariki nahm in einer Zeremonie die rituelle Verbindung zur „mother of Aitutaki“, einer weiblichen Ahnenfigur unserer Sammlung, wieder auf. Darüber hinaus bot ihm sein Aufenthalt in Europa die Möglichkeit, gemeinsam mit unserer Ozeanien-Kuratorin Dr. Michaela Appel an wichtigen Pazifik-Tagungen und -Ausstellungseröffnungen in Madrid, London und Cambridge teilzunehmen.


Htein Lin

Htein Lin © Martin Lesanto Smith

© Martin Lesanto Smith

Htein Lin (*1966), international renommierter Künstler aus Myanmar, begann seine Karriere als Komiker und Schauspieler. Aktuell konzentriert er sich auf Malerei, ersinnt und baut Installationen, ist Performance-Künstler. Daneben wirkt er als Schriftsteller, Poet, Kunst- und Gesellschaftskritiker.

Im Jahr 2007 wurden Arbeiten des ehemaligen politischen Gefangenen unter anderem bei der Biennale in Venedig gezeigt. Für unsere Ausstellung „Myanmar. Von Pagoden, Longyis und Nat-Geistern“ schuf Htein Lin eine Installation aus 108 buddhistischen Almosenschalen, die neben einigen seiner Gemälde in der Ausstellung zu sehen ist. Unter dem Motto „I am not an artist. I am an artwork“ präsentierte er im April 2015 in unserem Museum die performative lecture „Time is Life is Performance“.


Soleyman Hamkhiyal

Soleyman Hamkhial

Soleyman Hamkhiyal (*1985) lebt und arbeitet als Schullehrer in einem Dorf im Nordosten des Iran. Er schätzt und pflegt die Traditionen seiner turkmenischen Kultur. Dank seiner profunden Kenntnisse konnten 2015 im Rahmen unserer Ausstellung „Töchter der Steppe, Söhne des Windes. Gold und Silber der Turkmenen“ unter anderem der Aufbau und die Einrichtung der Jurte, die den Mittelpunkt der Präsentation bildete, originalgetreu geleistet werden.


Thinn Thinn Aye

 Thinn Thinn Aye

Thinn Thinn Aye (*1965) ist Kuratorin am Nationalmuseum und unterrichtet Museologie in Yangon, Myanmar. Mit ihrem reichen Wissen über ihr Land und dessen unterschiedliche Kulturen stand sie uns bereits im November und Dezember 2013 zur Vorbereitung unserer Ausstellung „Myanmar. Von Pagoden, Longyis und Nat-Geistern“ in Yangon beratend zur Seite. 2014 folgte Thinn Thinn Aye unserer Einladung und befasste sich als Ko-Kuratorin zwei Monate lang intensiv sowohl mit den traditionellen Objekten unserer bedeutenden Birma-Sammlung von Christine und Lucian Scherman als auch mit der Einrichtung eines Marktstandes, der den Auftakt zur Ausstellung bildete. Als Buddhistin zeichnete sie für das korrekte Arrangement der der sakralen Bereiche der Ausstellung verantwortlich.


João Paulo Lima Barreto

 João Paulo Lima Barreto © MFK

João Paulo Lima Barreto (*1974) wuchs in São Gabriel da Cachoeira in Nordwest-Brasilien auf. Sein Großvater und auch sein Vater waren bzw. sind anerkannte Schamanen der Tukano. Nach seiner Schulausbildung bei den Salesianern arbeitete João Paulo Lima Barreto als Sozialarbeiter und engagierte sich für die politischen Belange von amazonischen Indigenen. Sein Studium der Sozialanthropologie schloss er 2013 an der Universidade Federal do Amazonas mit dem Fokus auf Inverse Ethnologie in Manaus ab. Im März 2014 besuchte João Paulo Tukano, wie er sich selbst nennt, unser Museum, um sich für seinen Aufsatz zur Publikation der Sammlung Fittkau, „Von der Leidenschaft zu Finden“, eingehend mit den Objekten vom Rio Negro zu befassen. Besonders zur kosmologischen Bedeutung von Alltags- und Ritualobjekten, die ihm aus seiner Lebenswirklichkeit vertraut sind, konnte er wertvolle Erkenntnisse vermitteln.


Michel Tuffery

Michel Tuffery

 © courtesy Michel Tuffery

Michel Tuffery (*1966), Neuseeländer samoanischer und Cook-Island-/tahitischer Abkunft, ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen pazifischen Künstler. In seinen Werken, denen immer eine intensive historische Recherche vorausgeht, kommentiert er auf meist kritische, oft auch humorvoll-überraschende Weise die kolonialen und postkolonialen Verflechtungen zwischen der westlichen Welt und der Südsee. Tufferys Werkzyklus "Siamani-Samoa" – Siamani ist das samoanische Wort für Deutschland – wurde unter anderem von einem Besuch in unserem Museum im Jahr 2010 inspiriert, bei dem er im Depot die filigran geschnitzten samoanischen Kämme in Augenschein nahm. Fasziniert von deren Motiven gestaltete Michel Tuffery verfremdete eigene Kämme, deren Vignetten Bezug zur deutsch-samoanischen Geschichte haben. Unser kontinuierlicher Austausch im Rahmen des Forschungsprojekts „From Samoa with Love? Samoa-Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich. Eine Spurensuche“inspirierte ihn darüber hinaus zu einzelnen Motiven für seine Gemälde. Für unsere gleichnamige Ausstellung kuratierte er 2014 eine eigene Ausstellungseinheit mit diesen und anderen Werken aus seinem "Siamani-Samoa"-Zyklus.
Einige seiner Kunstwerke hat das Museum Fünf Kontinente erworben.


 Akintunde Akinleye

Akintunde Akinleye bei einer Pressekonferenz im MFK

Akintunde Akinleye (*1971) lebt in Lagos und gehört zu den international renommiertesten Dokumentarfotografen Afrikas. 2007 gewann er als erster Nigerianer den prestigeträchtigen World Press Photo Award. Seither ist er eine weltweit gefragter Vortragender und Seminarleiter bei wichtigen Tagungen zur Dokumentarfotografie.

2012 war Akintunde Akinleye Ko-Kurator unserer Ausstellung „Letzte Ölung Nigerdelta – Das Drama der Erdölförderung in zeitgenössischen Fotografien“.


Isi Kunath

Isi Kunath mit dem Fernrohr auf der Leiter

© courtesy Isi Kunath

Isi Kunath (*1963) ist eine international bekannte deutsche Künstlerin und Fotografin. In den Jahren 2009 und 2010 setzte sich die heute in München lebende Künstlerin intensiv mit unserem Museum auseinander. Sie betrieb über mehrere Monate hinweg Feldforschung bei uns, oder, wie sie es formulierte, in einem „»Land« von 12.000 Quadratmetern, mit 53 Einwohnern und über 150.000 Schätzen“. Ihre Feldforschungsergebnisse mündeten 2010 in die Ausstellung „A Strong Desire to See the World“ in unserem Haus, die Isi Kunath als „Konstruktion, Reflexion und Aufarbeitung einer erweiterten Vorstellung von (musealer) Wirklichkeit“ verstand. Der gleichnamige Ausstellungskatalog ist als Feldforschungstagebuch zu betrachten.