• Ornamentstreifen traditioneller lettischer Tracht
  • Traditionelle Ornamente auf lettischen Schmuckarmreifen

Ornamente und Zeichen der lettischen Seele

20. März – 19. April 2015

Gastausstellung anlässlich der aktuellen EU-Ratspräsidentschaft der Republik Lettland

 »Ornamente und Zeichen der lettischen Seele« lautet der Titel einer im Museum Fünf Kontinente gastierenden Sonderausstellung. Anlass ist die aktuelle EU-Ratspräsidentschaft der Republik Lettland, dessen Nationales Kulturzentrum die Ausstellung konzipiert hat. Sie führt zu den Wurzeln des lettischen Selbsbewusstseins und entführt dabei zum großen traditionellen Sänger- und Tanzfest mit seiner ureigenen Rhythmik und Dynamik, das mittlerweile sogar in die UNESCO-Liste des »immateriellen Kulturerbes der Menschheit« aufgenommen ist. Wie bei diesem nur alle fünf Jahre stattfindenden Ereignis in der Hauptstadt Riga begegnet man einer Vielzahl kunsthandwerklich einzigartiger und lebensfroher Trachten. Musik, Lieder und Tänze Lettlands aus allen seinen Regionen und verschiedenen Zeitepochen sind zu erleben, vielfach in Verbindung mit ethnographischen und archäologischen Objekten, aber auch in Form von Audio- und Video-Installationen.

Die Ausstellungsmacher stellen die lettischen Trachten aus Woll- und Leinenstoffen in direkten Zusammenhang mit der traditionellen Musik des Landes: Die Ornamente auf den Stoffen haben über ihre Schönheit hinaus eine soziale Bedeutung. Aber auch die besondere Rhythmik der lettischen Musik kann man als Parallele zur speziellen Ornamentik der Trachten verstehen. So finden sich die Spuren einer künstlerischen Dimension auch in der nächsten. Rhythmus als Wechsel von Tag und Nacht, Licht und Dunkel bis hin zur stetigen Wiederkehr der Jahreszeiten ist lebensbestimmend. In Lettland waren und sind diese Zusammenhänge tief verwurzelt im Bewusstsein der Menschen. Beim Sängerfest in Riga treten mehr als 30.000 Menschen auf, der Chor des Abschlusskonzerts allein besteht aus rund 13.000.

Als sich Ende der 1980er-Jahre die Unabhängigkeit von der damaligen Sowjetunion anbahnte, verstärkte das Sängerfest die gemeinsame Identität der Letten. Heute noch spricht man von der »Singenden Revolution«. »Beim Singen entstanden damals sehr starke gemeinschaftliche Gefühle«, erinnert sich der Dirigent Ints Teterovskis: »Zum ersten Mal in meinem Leben war ich stolz darauf, ein Lette zu sein«.

Die Ausstellung »Ornamente und Zeichen der lettischen Seele« bietet Gelegenheit zu einer farbenprächtigen musikalischen Reise in ein vielfach noch unbekanntes Land mitten in Europa.